Das Beisl

Das sozio-kulturelle Beisl Pappel dient einerseits Menschen mit psychischer Erkrankung und/oder kognitiver Beeinträchtigung als Arbeitsplatz, an dem sie Eigen- und Fremdverantwortung üben können. Andererseits entwickelt es sich als Beschäftigungstherapie in Form eines Gaststättenbetriebes im Grätzel rund um den Parhamerplatz zu einem Kommunikationszentrum. Die KlientInnen und BetreuerInnen betätigen sich dabei als KreateurInnen an sich selbst, an der Gruppe, am Beisl. Sie sind gleichzeitig handelnde BeobachterInnen und Beobachtete, RegisseurInnen und ProtagonistInnen. Die Gruppe arbeitet am eigenen Agieren im System und am Verlauf des Geschehens. Zudem übt jeder/jede das Verhalten in einem Beziehungsdialog und an der Struktur des sozialen Gefüges. Somit erfährt der/die Einzelne den Einfluss anderer auf sich selbst und entwickelt dadurch auch die Fähigkeit zur Selbsterkenntnis, zum Hinhören im eigenen Dialog. Im Interesse der Anforderungen, die vom Umfeld (Gäste, Grätzl, Ökonomie) an das Projekt gestellt werden, ist es notwendig, Formen zu entwickeln, die die Aufrechterhaltung des Beislbetriebs gewährleisten können. Im Austausch mit Gästen kann ein Dialog stattfinden, der sich aus der Innenwelt des Beisls in die Außenwelt hinausträgt. In diesem Austausch sehen wir ein Angebot an die Gesellschaft, Behinderung und psychische Erkrankung als Teilbereich des Lebens eines Menschen und nicht als dessen Identität wahrzunehmen.

Die Geschichte

Ausgehend vom Gedanken, eine Beschäftigungstherapie (BT) zu schaffen, in der KlientInnen mit Menschen aus dem Umfeld konfrontiert werden sollen, stieß man auf das leer stehende Cafe Horoskop (das ehemalige Kolar, heutige Pappel). Somit entstand ein Projekt, in dem nicht nur die Auseinandersetzung mit anderen Menschen permanent stattfindet, sondern auch ein Training in sämtlichen gastronomischen Tätigkeiten gegeben ist. Das Kolar Ψ stand in Partnerschaft mit dem im 1.Bezirk (Kleeblattgasse 5; 1010 Wien), war jedoch immer schon ein eigenständiges Projekt der KoMiT GmbH. Der Umbau und die Einrichtung wurden vom Bundessozialamt finanziert. Die KlientInnen und die BetreuerInnen waren am Umbau und der Gestaltung des ehemaligen Kolar Ψ (heutiges Pappel) beteiligt (Streichen des Steinofens und der Hauswände, Schleifen und Lackieren der Sessel…..). Bei der Innenausstattung wurde Wert auf sinnlich spürbares Material (Stein, Holz, Terrakotta…) gelegt. Weiters war es wichtig, das Lokal rollstuhlgerecht zu gestalten und Technologien wie Internetzugang und Videobeamer zu installieren. Am 17. Juni 2002 begann der Probelauf des Beisls und am 25. September war die offizielle Eröffnungsfeier. Die damalige MA12 bewilligte 10 Wiener KlientInnenplätze für die BT im damaligen Kolar Ψ. Neben der Tagesstruktur (KoMiT GmbH) hat auch das Kolar Ψ den 3. Platz des Gesundheitspreises der Stadt Wien für Projekte im ambulanten Bereich und psychiatrischer Nachversorgung erhalten.
Seit Juni 2007 hat das Beisl auch Samstag und Sonntag geöffnet. Zur selben Zeit wurde es um zusätzliche Räumlichkeiten erweitert. Diesen wurde von den KlientInnen und TrainerInnen des damaligen Kolar Ψ der Name „Kantn“ verliehen. In der Kantn ist es den KlientInnen möglich andere – nicht in der Öffentlichkeit stehende – Arbeiten auszuführen. Mittlerweile werden im Pappel bis zu 30 Personen betreut.